Zuletzt aktualisiert am: 26.02.2026
Dieser Artikel behandelt die wichtigsten Grundlagen zu Farbschemata & Komplementärfarben:
- Verständnis des Farbkreises (Primär-, Sekundär- und Tertiärfarben)
- Die Wissenschaft der Komplementärfarben (Wirkung, Stimmung, Kontrast)
- Farbschemata im Überblick: monochrom, komplementär, analog, triadisch, tetradisch
- Beispiele in der Fotografie (Praxisbeispiele zu Komplementär- & Tetrad-Kontrasten)
- Das tetradische Farbschema (wie es aufgebaut ist und warum es so spannend/kompliziert ist)
- Die tetradische Variation (wenn mehrere Komplementärpaare + analoge Farben zusammenspielen)
- 3 schnelle Wege, starke Farbkombinationen zu bändigen (Sättigung, Helligkeit, Mikro-Akzent)
- Verläufe & Trennelemente (wenn Farben „beißen“)
- Häufige Schwierigkeiten & was wirklich hilft (Lesbarkeit, Kontraste, Verläufe)
- Anmerkung zu Lesbarkeit & Barrierefreiheit (Achtung im Web- und Grafikdesign)
Im Bereich Fotografie und Design ist es manchmal kein Leichtes, Farben zu kombinieren, die im Farbkreis als Komplementärfarben gegenüberliegen, weil sie je nach Helligkeit und Sättigung „beißen“ oder extrem knallen können. Genau diese Spannung macht sie aber so spannend: Farbwahl ist ein bisschen Wissenschaft und gleichzeitig Kunst. Farben beeinflussen unsere Wahrnehmung: Sie können beruhigen, aktivieren, Distanz oder Nähe schaffen. Der Farbkreis hilft dabei, diese Wirkung besser zu steuern und Komplementärfarben sind dafür eines der wichtigsten und sogar stäksten Werkzeuge.
Verständnis des Farbkreises
Der Farbkreis ist eine visuelle Darstellung der Farben und ihrer Beziehungen zueinander. Durch die Analyse des Farbkreises können Designer und Fotografen die richtigen oder passenden Farbkombinationen auswählen, um bestimmte Stimmungen oder Reaktionen hervorzurufen. Komplementärfarben, die sich gegenüberliegen, erzeugen starken Kontrast und sind besonders ansprechend und auffällig für das Auge.



Primärfarben sind die grundlegenden Farben: Rot, Gelb und Blau. Diese Farben können nicht durch die Mischung anderer Farben erzeugt werden.
Sekundärfarben entstehen durch die Mischung von zwei Primärfarben. Die Sekundärfarben sind Grün, Orange und Violett.
Tertiärfarben entstehen durch die Mischung einer Primärfarbe mit einer Sekundärfarbe. Zum Beispiel entsteht Gelbgrün durch die Mischung von Gelb und Grün.
Das Experimentieren mit Farben spielt für die Ausarbeitung der entsprechenden Skills eine wichtige Rolle. Denn die Erfahrung mit unterschiedlicher Farben im praktischen Einsatz in egal welchem künstlerischen Bereich, sei es Design und Typografie, Fotografie oder Malerei, ist unersetzlich.
Die Wissenschaft der Komplementärfarben
Die Verwendung von Komplementärfarben in Designprojekten und in der Fotografie kann einen großen Unterschied machen. Sie können die Aufmerksamkeit des Betrachters auf bestimmte Elemente lenken und eine harmonische und ausgewogene Ästhetik schaffen.
Komplementäre Farben können auch dazu beitragen, die Stimmung oder Atmosphäre eines Designs zu beeinflussen. Zum Beispiel kann die Verwendung von warmen komplementären Farben wie Rot und Orange eine energetische und leidenschaftliche Stimmung erzeugen, während kühle komplementäre Farben wie Blau und Grün eine beruhigende und entspannte Stimmung vermitteln können.
Es gibt verschiedene Farbschemata (Farbkonzepte, Farbstile). Darunter das monochrome, komplementäre, analoge, triadische und tetradische Farbschema.



Komplementärfarben sind Farben, die sich im Farbkreis gegenüberliegen und durch ihre Kombination einen starken Kontrast erzeugen.
Triadisches Farbschema (Triade, Dreizahl, Dreiheit, 3) ist eine Farbkombination, die auf drei gleichmäßig im Farbkreis verteilten Farben basiert, um einen ausgewogenen visuellen Effekt zu erzielen.
Tetradisches Farbschema (Viergliedrig, 4) ist ein Farbschema, das auf der Auswahl von vier Farben basiert, wobei zwei Paare von Komplementärfarben verwendet werden, um eine harmonische und dennoch lebendige Palette zu schaffen.
Beispiele in der Fotografie
Im Folgenden zeige ich Beispiele, wie man fotografisch über ein komplementäres Farbschema und über ein tetradisches Farbschema arbeitet. Hinweis: Diese Foto-Beispiele sind mit farbigem Licht und Farblook gestaltet. In der Fotografie entsteht Komplementärwirkung häufig über Warm–Kalt-Kontraste (z. B. Orange/Cyan). Diese entsprechen nicht immer exakt den klassischen Gegenüberstellungen im RYB-Farbkreis (z. B. Rot/Grün oder Blau/Orange), sondern basieren auf Licht- und Wahrnehmungskontrasten.



Bilder: © Sabine Fischer / sabinefey
Das Tetradische Farbschema
Nun gehe ich speziell auf das interessanteste und gleichzeitig komplizierteste Farbschema ein: Das tetradische Farbschema. Und zeige anhand von Beispielen, wie mit mehr Mut zur Farbe auch mehr Lebendigkeit und Komplexität auf Bildern geschaffen werden kann.
Das tetradische Farbschema ist eine anspruchsvolle Methode der Farbkombination, die vier Farben oder mehr in einem idealerweise harmonischen Arrangement verwendet. Bei dieser Technik wählt man zwei Hauptfarben und ihre jeweiligen Komplementärfarben aus dem Farbkreis. Aber auch analoge (nebeneinanderliegende / Nachbar-) Farben können miteinbezogen werden. Regeln schränken ein, deshalb dient es mehr als Richtlinie als als Regel oder feste Vorhergehensweise.



Bilder: © Sabine Fischer / sabinefey
Die Tetradische Variation

In diesem Selbstportrait links von mir sind einige komplementärfarben vorhanden. Es steht Orange gegenüber von Blau und Gelb gegenüber von Lila. Zudem sind die analogen Farben (also die Nachbarfarben) ebenfalls vorhanden. Somit liegt hier klar ein tetradisches Farbschema, genauer gesagt eine tetradische (Unter-)Variante, eine Variation, vor. Eine Steigerung des Tetradischen Farbschemas. Es wirkt bunt und lebendig. Das schwierigste an diesem Farbschema ist, durch die 3 komplementären Kontraste dem Bild dennoch eine harmonische Wirkung zu verleihen.

Ein tetradisches Farbschema besteht aus vier Farben, die im Farbkreis ein Rechteck bilden: Also aus zwei Komplementärpaaren. In der Praxis werden solche Paletten oft erweitert, indem zusätzlich analoge Zwischentöne (benachbarte Farben im Farbkreis) eingesetzt werden. Dadurch wirkt die Farbwelt komplexer, bleibt aber strukturiert: Komplementärkontraste erzeugen Spannung, analoge Farben verbinden und harmonisieren.
Wie Komplementärfarben in der Branding-Fotografie eingesetzt werden
Während in meinen künstlerischen Porträts starke Komplementärkontraste bewusst hergestellt werden, setze ich sie in Personal Branding Shootings deutlich subtiler ein. Farbschemata haben bei der strategischen Planung von Personal Branding Fotos eine wichtige Rolle bei der Abstimmung von Kleidung, Accessoires, Setgestaltung oder Hintergrundfarben. Beispiel:

Häufige Schwierigkeiten bei der Verwendung von Komplementärfarben
Einer der häufigsten Fehler bei der Verwendung von Komplementärfarben ist die falsche Farbauswahl. Einige Farbkombinationen können sehr schwer auf den Augen liegen und eine negative Wirkung auf den Betrachter haben. Geht man nun zum Beispiel in Richtung Grafikdesign, erhält man ein gutes Beispiel mit den hier gewählten Komplementärfarben für funktionierende und nicht funktionierende Farbkontraste:






Die ersten zwei Farbkombinationen (Magenta und Grün) beissen sich und sind für eine angenehme und harmonische Farbwiedergabe nicht zu empfehlen. Auch Hellblau auf einem satten Rot wirkt streng. Hingegen ist der Kontrast von Dunkelblau zu Gelb hervorragend für auffälliges und kontrastreiches Design. Die Gelbe Schrift ist hell genug auf dem dunklen Blau. So verhält es sich ähnlich mit den anderen Komplementärfarben: Der Kontrast sollte hoch genug sein, damit das Auge mit den Farben klarkommt.
3 schnelle Wege, schwierige Farbkombinationen zu bändigen:
- Eine Farbe entsättigen: Wenn alle vier Farben knallen, wirkt es schnell unruhig. Eine leicht gedämpfte Farbe bringt sofort Ruhe rein.
- Eine Farbe abdunkeln: Steuere den Helligkeitskontrast: Eine dunklere Farbe kann als Basis funktionieren, während die helleren Farben Akzente setzen.
- Eine Farbe nur als Mikro-Akzent nutzen: Eine der vier Farben darf winzig sein, z. B. Lippenstift, Schmuck, Nagellack oder ein kleines Accessoire bei Fotos. Im Grafikdesign kann das z. B. ein einzelner Button (CTA), ein Icon, eine kleine Linie/Underline, eine Zahl im Diagramm oder ein Highlight in der Navigation sein. Genau dadurch wirkt die Kombination gewollt statt zufällig.
Anmerkung: „Schwierig, grell, beißend“ ist keine objektive Kategorie, sondern Geschmack und Kontext. In der Fotografie darf Kontrast und Intensität der Farben auch bewusst extrem sein. Die Tipps hier sind Werkzeuge, falls du mehr Ruhe oder Lesbarkeit willst.
Design-Notiz: Im Grafikdesign wird dafür oft die 60-30-10-Regel genannt (Hauptfarbe, Nebenfarbe, Akzent). Ich selbst nutze diese Prozentwerte in Fotografie und Design nicht bewusst, aber das Prinzip dahinter ist hilfreich: Gib den Farben eine klare Hierarchie, denn das bändigt tetradische Kombinationen fast immer.
Verläufe sind ebenfalls eine hervorragende Möglichkeit in der Fotografie, um nicht funktionierende Komplementärfarben für die Augen besser verarbeitbar zu machen:

Ein Verlauf kann Komplementärfarben deutlich angenehmer wirken lassen: Zwischen den beiden starken Gegensätzen liegen Zwischentöne. Dadurch wird die harte, vibrierende Kante entschärft und das Auge kann die Kombination leichter verarbeiten.
Alternativ oder ergänzend hilft auch: Lass die beiden Komplementärfarben nicht direkt aneinanderstoßen, sondern setze einen neutralen Trenner dazwischen (z. B. Off-White, Grau oder Anthrazit) das nimmt sofort Spannung aus der Kante. In der Fotografie erreichst du denselben Effekt, indem du zwischen die Farben Luft bringst: Abstand im Bild, ein neutrales Kleidungsstück oder ein ruhiger Hintergrund. Und falls es in der Aufnahme trotzdem noch zu hart wirkt, kannst du das in der Bildbearbeitung gezielt beruhigen: z. B. in Lightroom über HSL (Sättigung/Luminanz einzelner Farben), den Weißabgleich oder eine dezente Color-Grading-Tonung.
Wichtige Anmerkung für Web- & Grafikdesign (Lesbarkeit / Kontrast)
Achtung im Web- und Grafikdesign: Verläufe haben über die Fläche unterschiedliche Helligkeiten. Text funktioniert darauf nur dann gut, wenn der Kontrast überall ausreichend ist, sonst wird es schnell anstrengend zu lesen. Auch aus Sicht der Barrierefreiheit ist das wichtig: Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen, Farbenfehlsichtigkeit oder bei schlechter Bildschirmqualität/greller Sonne verlieren sonst Teile des Textes. Prüfe deshalb den Kontrast nicht nur an einer Stelle, sondern an den hellsten und dunkelsten Bereichen des Verlaufs. Wenn du unsicher bist, plane lieber eine „sichere“ Textfläche ein.
In der Praxis helfen z. B. ein leichtes Overlay über dem Verlauf, eine farbige Textbox, eine klare Outline/Schlagschatten (dezent, aber wirksam) oder ein kurzer Kontrast-Check. Grundregel: Je wichtiger der Text (Navigation, Buttons, Call-to-Action), desto weniger sollte er von einem unruhigen Verlauf abhängig sein.
Ich empfehle jedem kreativen Geist, sich mit den Farbschematas, Kontrasten und Komplementärfarben zu beschäftigen. Dadurch kann ein noch besseres Verständnis und Feeling für die unterschiedlichen Farben erarbeitet werden.
Liebe Grüße,
Sabine